Im Talmud heißt es sinngemäß: »Wir sterben, wenn wir aufhören zu erinnern«. Diese Erinnerung an die Schrecken der Schoa und die Lehren, die daraus zu ziehen sind, teilen sieben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen seit Jahren mit Schülerinnen und Schülern in Brandenburg.
In regelmäßigen Abständen kommen die heute weit über 80-jährigen aus Israel nach Deutschland, um in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. Wie funktioniert das Fassbarmachen des Unfassbaren und was motiviert die Schoa-Überlebenden, die Erinnerung an Todesangst und Überlebenswillen mit den nachfolgenden Generationen zu teilen?

Die Porträts des Fotografen Kai Abresch führen uns die Zeitzeugen eindrucksvoll – und im wahrsten Sinne des Wortes – unmittelbar vor Augen. Ihrer visualisierten AugenZeugenschaft ist jeweils ein persönliches Zitat zur Seite gestellt. Eines hiervon haben wir der Ausstellung als Motto vorangestellt: »Es ist nicht leicht, sich zu erinnern – und schwer, zu vergessen!« In diesen Worten spiegeln sich exemplarisch der Antrieb und das Ziel der Berichterstattenden: ERINNERN UND NICHT VERGESSEN! Dieses Diktum wollen sie weitergeben, damit das Erinnern fortgesetzt wird – auch dann, wenn sie persönlich nicht mehr Zeugnis ablegen können.
Die Ausstellung entstand in Kooperation des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien und der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz. Porträtiert wurden die AugenZeugen von dem Berliner Fotografen Kai Abresch. Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Elke-Vera Kotowski (Moses Mendelssohn Zentrum) und Susanne Krause-Hinrichs (F.C. Flick Stiftung). Die Schirmherrschaft der Ausstellung hat der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke übernommen.

Seit dem 29. Oktober ist die Ausstellung in der Jüdischen Gemeinde in Berlin zu sehen.  Dort können die Gesichter und Geschichten der Zeitzeug*innen, die zu einem großen Teil nach wie vor unterwegs sind, um ihre Geschichte zu erzählen, noch bis zum 10. Dezember besichtigt werden.

Erstmalig eröffnet wurde die Ausstellung am 7. Januar 2020 im Foyer des Brandenburger Landtags, wo sie bis zum 20. Februar residierte. Anlässlich des weltweiten Gedenkens an die Opfer des Nationasozialismus fand begleitend zur Ausstellung am 27. Januar 2020 eine Podiumsdiskussion statt, zu der auch zwei der Protagonist*innen der Ausstellung kamen – die Zeitzeug*innen Zipora Feiblowitsch und George Shefi. In beindruckenden Worten schilderten Sie den zahlreichen Gästen, unter denen auch viele Schüler*innen waren, ihre Leidens- und Lebensgeschichten. Zu den weiteren Sprecher*innen gehörten die brandenburger Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur Dr. Manja Schüle, der Theologe und Pfarrer Rudi-Karl Pahnke sowie die Rektorin des Louise-Henriette-Gymnasiums Oranienburg, Gabriele Schiebe.

Die Porträts sollen auch in Zukunft als Wanderausstellung an weiteren Orten ausgestellt werden.