Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen stellt eine massive Gefahr für das demokratische und friedliche gesellschaftliche Zusammenleben dar. Das Jüdische Recherche-, Feldbeobachtungs-, Informations- und Bildungszentrum setzt sich aus einer explizit jüdischen Perspektive kritisch mit Antisemitismus und seinen Schnittflächen zu anderen Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auseinander. Aus diesem Grund wurden Feldbeobachtungen durchgeführt, die zum Ziel hatten, eine breite Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Das daraus resultierende Material wurde auch dazu genutzt, Bildungsmaterialien zu entwickeln, die für alle Interessierten zur pädagogischen Arbeit zur Verfügung stehen und auch bei der eigenen Bildungsarbeit des Trägers Verwendung finden. Im Laufe des vergangenen Jahres beobachtete das JFDA ein Vielzahl von Veranstaltungen aus verschiedenen politischen Spektren. Dazu gehörten Demonstrationen, Kundgebungen und anderweitige Versammlungen spezifisch in Berlin, aber auch in anderen Städten im deutschsprachigen Raum.

In diesem Zusammenhang kam es zu einer sehr hohen Zahl antisemitischer Vorkommnisse. Einer der Schwerpunkte lag hier, wie bereits im Vorjahr, auf den sog. Corona-Protesten. Zwar ist der Zulauf im Vergleich zu 2020 geringer gewesen, antisemitische Verschwörungsideologien wurden jedoch mehr denn je verbreitet. Auch NS-Relativierungen sowie die Gleichsetzung von Jüdinnen:Juden während des NS und ungeimpften Menschen heute haben sich zunehmend etabliert. Besorgniserregend ist die fortlaufende Radikalisierung der Szene, welche sich durch zunehmende Gewalt auf den Demonstrationen äußert.

Die sich zuspitzende Situation in Israel und Gaza löste im Mai Wellen des Antisemitismus in ganz Deutschland aus. In Berlin beobachteten wir zahlreiche antiisraelische Demonstrationen, die teilweise in grober Gewalt endeten, auf denen antisemitische Inhalte geäußert wurden und an denen islamistische Gruppierungen teilnahmen.

Des Weiteren wurden Kundgebungen und Veranstaltungen rechtsextremer Akteure beobachtet, bei denen insbesondere geschichtsrevisionistische und sekundär antisemitische Narrative verbreitet wurden. Neben der Reichsbürger-Szene gehören dazu bspw. die NPD, Der III. Weg oder die Neue Stärke Erfurt.