Dr. Friedrich Schorlemmer zur Ernennung Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika

Eintrag von F.C. Flick Stiftung 19. Januar 2017 Allgemeine Meldungen
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Wir gehen Trump‘igen Zeiten entgegen

Dieser Präsident Donald Trump macht Angst, Angst um diese ohnehin so gefährdete Welt, Angst davor, dass die aggressive, so selbstbezogene Renationalisierung wieder zum Weltprogramm wird. Das Autoritäre kehrt weltweit zurück. Wo wir nicht auch zurückfallen, kann das die Stunde der Vereinigten Staaten von Europa werden, wo (Handels-)Kriege nicht wieder zum akzeptierten Politik- und Konfliktkonzept werden.

Doch dieser milliardenschwere Immobilien-Berserker stellt alles in Frage, nur nicht sich selbst! Selten vereinigt ein einzelner Mensch so viele negative Zuschreibungen auf sich. Einem Leichtsinnigen, Unbeherrschten und Unbeherrschbaren wie Trump ist die Verfügung über den berüchtigten „roten Knopf“ anvertraut, einem Mann der arglos-arglistig fragte, warum die USA über Atomwaffen verfügen, sie aber nicht nutzen.

Dieser Mann ist ein Fall für den Psychoanalytiker. Er verwechselt die (Welt-)Politik mit klamaukiger Reality-Show.

Ich kann keine einzige Idee entdecken, die mittel- oder längerfristig vor den Schranken des Vernünftigen und Zukunftstauglichen bestehen könnte Ich kann noch niemanden im Kabinett der reichen alten Männer entdecken, der politische Erfahrung und erkennbares Gesamtkonzept besäße, das sich einreihen würde in die Vereinten Nationen – in einen zivilisierten fairen Interessenausgleich.

Dieser großmäulige Trump-Tower-Mann mit kitschig vergoldeter Wohnetage ist einfach größen-wahnsinnig. Er ist ahnungslos über die Wirkung seines Tuns oder er kalkuliert polarisierende Empörung ein, die ihm Aufmerksamkeit verschafft, so dass er täglich in die Schlagzeilen kommt .Er ist in persona ein Generalangriff auf alles, was bisher als zuträglich galt. Trump ist gefährlich unberechenbar, betreibt eine so irrationale wie emotional aufgeladene Politik „ohne Rücksicht auf Verluste“. Er ist als ein Egoman ganz mit sich einverstanden, rachsüchtig gegen jeden, der ihm je widersprochen oder sich gar lustig gemacht hat.

Es gibt in der Welt nur Trump, der weiß, wer Trump ist. Er brüstet sich, ungebildet zu sein, verachtet die „Eliten“. Er zeigt sich täglich feindbildbesetzt und unverfroren. Hypertroph, angesteckt von der Hybris der Macht, wirkt er ungeschlacht, unbeherrscht und unreflektiert.

Er scheint besessen zu sein von der Lust, alles umzukrempeln und verspricht geradezu großsprecherisch die wunderbarsten Wirkungen seiner Politik, sofern man dabei noch von Politik sprechen kann. Vor allem ist es planlos, was er in die Welt setzt, indem er sich anschickt, alles umzuwerfen und folgenblind eine andere, seine Welt zu konzipieren und wo ohne viel „Federlesen“ gehandelt wird, bis Amerika „wieder groß ist“ – als ob es jetzt klein wäre. Sein Götze, dem er alles unterwirft und mit dem er jeden taxiert, war und ist der Erfolg. Die entscheidende Antriebskraft der Menschen sei die Gier. Ihr verdanken „wir“ allen Wohlstand. Er fragt nie, wie die Gier sozial- und umweltverträglich eingedämmt werden kann. Das Wort „Rücksicht“ gehört nicht zu seinem Vokabular.

Er spricht nach der Pariser Nah-Ost- Konferenz von siebzig Staaten, die sich um eine Verständigung zwischen Israel und Palästina aussprechen, von einem „Todeskampf der Welt von gestern“. Und er kündigt an, mit der US-Botschaft nach Jerusalem zu wechseln.

Da treten inzwischen unterwürfige Beschwichtiger an die Mikrofone der Welt, die beteuern, nichts würde so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Aber bisher scheint dieser Präsident alles anzupacken, was er angekündigt hat. Das ist das Schlimme: Er tut, was er sagt; aber er weiß nicht, was er sagt. Dieser Berserker ist von keines Gedankens Blässe angekränkelt. Es ist, als hätte Ernst Barlach ihn vorausgesehen, als er seine Skulptur „Der Berserker“ schuf. Einige Wirtschaftsbosse, wie Joe Kaeser von Siemens, wissen, was die Stunde geschlagen hat und führen sich auf, als wenn sie geradezu mit Lust vor dieser Gewaltmacht mit Gewinnaussichten knieen.

Ein jeder spürt, dass er es zu spüren bekäme, wenn er sich öffentlich gegen diesen vornehmlich nächtens twitternden Präsidenten ausspräche.

Nur Gewinn- und Durchsetzungskraft für eigene Interessen gelten. Sein Weltbild ist durch und durch „darwinistisch“ im Sinne der Auslese des Stärkeren. Er teilt die Welt ohne Umschweife in manichäischer Manier in Fremde und Amerikaner, in Gute und Böse, in Gewinner und Verlierer. Gut ist, wer sich jetzt schon ihm zu Füßen wirft und gänzlich unkritisch mit Applaus quittiert, dieser „mächtigste Mann der Welt“ macht.

Man fragt sich etwas benebelt, wie nur ein Mensch all diese Unarten auf sich vereinigen kann, wie er selbstgefällig wie größenwahnsinnig auftreten kann, so dünnhäutig und humorlos wie autoritär durch und durch. Dieser Autokrat braucht keine Beratung. Der weiß alles. Und weiß alles besser.

Was er von Demokratie und demokratischer Auseinandersetzung unter Einbeziehung der vierten Gewalt hält, zeigte er in erschreckender Weise bei seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl. Wo werden wir uns in den nächsten Jahren wiederfinden?

Man mache sich keine Illusionen: Hier steht die Demokratie auf dem Prüfstand und die Demokraten sind weltweit herausgefordert, den Anfängen zu wehren, sich solchem Gebaren nicht nur nicht zu unterwerfen, sondern ihm selbstbewusst, gedankenklar, vernunftgesteuert mit Mut und Entschlossenheit entgegenzutreten. Alle Politiker und alle Staatsbürger, die sich nicht raushalten wollen aus dem Geschehen (sowie alle Wirtschaftsbosse!), täten gut daran, dass aus Verbundenheit mit den USA nicht selbstvergessene Unterwürfigkeit wird. Es kommen härtere Tage. Aber die Hoffnung auf Wandel – spätestens in vier Jahren – darf nicht sterben.

Friedrich Schorlemmer 18.1.2017